Umwelt, Gesellschaft und Tierleid

Die Erde brennt, die Meere vermüllen, wir Menschen quälen Tiere und vergiften unseren Lebensraum. Seit 2020 fasse ich meine Arbeiten unter dem Titel „Un-Welt“ zusammen, da dies meinen Gefühlen stärker Ausdruck verleiht.

Wie für mich typisch sind meine Bilder sehr farbenfroh, aber die Ästhetik der Motive täuscht. Das Thema, die fortgeschrittene Vernichtung unseres Lebensraums, zieht unweigerlich nach sich, dass diese Arbeiten uns Menschen und unseren Umgang mit der Natur anklagen. Dennoch bleibt jedem die Wahl, nur ein künstlerisches Werk zu sehen oder seine Seele berühren zu lassen.

Bilder, die ich sorgfältig male oder illustriere, werden mit Schere und Messer zerschnitten. Oder mit Sprayfarbe aufgebrachte symmetrische Elemente (zer-)stören das „schöne“ Bild – als Symbol dafür, wie wir Menschen dies in der Tierproduktion mit empfindsamen Lebewesen, in der Natur mit unserer Umwelt und im menschlichen Miteinander praktizieren.

„Ich esse ja auch nur wenig Fleisch!“ ist die meistgebrauchte Platitüde, mit der sich fleischessende Menschen gegenüber Veganer-/VegetarierInnen rechtfertigen. So war es der perfekte Titel für meine Serie der zerschnittenen Bilder 2019.

Bei den Arbeiten im Jahr 2011 habe ich meine Gefühle gegenüber industrieller Tierhaltung, Tiertransporten und Tierversuchen durch „schmutziges Malen“ zum Ausdruck gebracht, indem ich nicht gepinselt oder gespachtelt, sondern die Farbe direkt aus Tube und Eimer auf die Leinwände geträufelt und gespritzt habe.

Gedanken zu den Bildern finden Sie unten auf dieser Seite.


„Formica rufa“ – Öl auf Leinwand 2025 | 100 x 80 cm
Im Ameisenstaat findet man unterschiedliche Formen von Ameisen, die an ihre jeweiligen Aufgaben angepasst sind. Bei der Begattung erhält die Königin einen Spermienvorrat, der für ihre etwa 20-jährige Lebenszeit reicht. Die Männchen werden nach der Begattung vertrieben und sterben kurz darauf. Die rote Waldameise und ihre Nester sind in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt und stehen laut der Roten Liste gefährdeter Arten Deutschlands auf der Vorwarnliste. (Quelle: Wikipedia)

„Hinter eines Baumes Rinde“ – Öl auf Leinwand 2025 | 100 x 80 cm
Der Borkenkäfer ist ein Rüsselkäfer ohne Rüssel und spielt eine wichtige Rolle im Stoffkreislauf des Ökosystems Wald. Als Made ein Vielfraß nimmt er, was er kriegen kann. Und wenn wir dem Borkenkäfer ausschließlich Futterbäume wachsen lassen, sagt er artig „Danke“ und begibt sich freudig zu Tisch.

„Das Rüsselkäferchen“ – Acryl auf Leinwand 2025 | 120 x 100 cm
Rüsselkäfer sind eine der artenreichsten Familien aller Lebewesen. Das Habitat von Rüsselkäfern kann wenige Quadratmeter groß sein, derart kleine Populationen haben ein großes Aussterbe-Risiko. „Das Rüsselkäferchen“ ist in der Natur weniger als 2 mm groß, auf meinem Bild ist es riesig und bewegt sich in einer Umgebung, die keinerlei Natürlichkeit hat und bei näherem Hinsehen verschmolzen mit einer Plastikflasche ist.

„Wimmelbild“ – Acryl auf Leinwand 2024 | 120 x 100 cm
Ameisen kommen mit mehr als 14.000 beschriebenen Arten, und vermutlich bis zu 30.000 Arten insgesamt, auf allen Kontinenten vor. Von den Tropen bis in subarktische Zonen Sibiriens. Die ältesten fossilen Funde stammen aus der Kreidezeit und werden auf ein Alter von 100 Millionen Jahren datiert. Auf dem „Wimmelbild“ sind einige Ameisen in einer künstlich-monotonen Umgebung unterwegs – als Symbol für viele Millionen Jahre alte Überlebenskünstler, die vor und nach dem Menschen die Erde bewohnen.

Tier-Plastiken (Biene, Fisch, Hummel, Krebs, Möwe) – Kaninchendraht, Pappmachée und Acrylfarbe auf Leinwand
Kadaver als Symbole für eine lebensfeindliche Welt. Nicht Realismus ist die Absicht, sondern die Wirkung der „Tiere“: mutiert, krank, verendet, ignoriert.

Nie wieder ist jetzt! | Öl auf Leinwand 2024 | 120 x 100 cm
Wer dieses Motiv nicht versteht, hat die demokratische Gesellschaft bereits verlassen.

„Die Hübschlerin“ – Öl auf Leinwand 2019 | 100 x 80 cm
Die „Hübschlerin“ war im Mittelalter eine Prostituierte. Bestimmte Farben, besonders Gelb, galten als sogenannte Hurenfarbe, um sie von den tugendhaften Damen zu unterscheiden. Auch Geistliche schickten nach der Hübschlerin oder erfreuten sich an einer Konkubine. Auch wenn die Hübschlerin im Hause einer Puffmutter oder eines „Frauenwirtes“ ihrem Beruf geschützt nachgehen konnte, immer schon und oft steht diese Tätigkeit mit Gewalt und Menschenhandel in Zusammenhang. Die Farbe Orange symbolisiert eine Zukunft ohne Gewalt gegen Frauen. Sie wurde im Zuge der von den Vereinten Nationen initiierten Orange-the-World-Kampagne festgelegt. „Die Hübschlerin“ ist ein Symbolbild für Gewalt gegen Frauen und die Bigotterie der Gesellschaft.

Bolsonaro | Öl/Sprayfarbe auf Leinwand 2019 | 100 x 80 cm
Falter, nicht spezifiziert, in einer tropischen Welt, nicht real, als Ausdruck dessen, was wir zu verlieren und bereits verloren haben.

Glyphosat | Öl/Sprayfarbe auf Leinwand 2019 | 50 x 50 cm
Wanze mit Herbizid (Glyphosat ist das meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel der Welt und ein sogenanntes „Totalherbizid“. Es tötet jede Pflanze, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie den Herbizideinsatz überlebt. Glyphosat ist laut Krebsforschungsagentur der WHO wahrscheinlich krebserregend beim Menschen – und es trägt maßgeblich zum Artensterben in der Agrarlandschaft bei. Quelle: BUND e.V.)

Zivilisation | Öl/Sprayfarbe auf Leinwand 2021 | 70 x 100
Weltweit verwandeln sich jedes Jahr 70.000 Quadratkilometer Land in Trockengebiete, das entspricht der Größe Bayerns. Die Ursachen der Desertifikation (fortschreitende Wüstenbildung) sind die Überweidung von Flächen, die Übernutzung von Böden, die Vernichtung von Wäldern, Verbrauch/Verschwendung von Wasser und der Klimawandel. Betroffen sind vor allem die Sahelzone, Südafrika, Zentral- und Südasien, Australien, Nord- und Südamerika, mittlerweile aber auch Südeuropa. Bis zum Jahr 2050 könnte die Weltbevölkerung auf 10 Milliarden Menschen angewachsen sein. Weltweit leben inzwischen rund eine Milliarde Menschen in Trockengebieten – zumeist in Armut – Brennholz und Ackerflächen sind für sie eine Frage des Überlebens. (Quelle: https://www.br.de/wissen/desertifikation-verwuestung-wuestenbildung-ausbreitung-wueste-100.html)

NI vier fünf null | Objekt aus Stoff und Recyclingmaterial 2021 | Beitrag zur Kunstaktion „Schafe im Kunstpelz“ der Wentorfer Kulturwoche 2021.
Schaf NI vier fünf null steht stellvertretend für die unzähligen Tiere, denen als nummerierte Objekte sämtliche Rechte aberkannt werden. Schafe werden in der weltweiten Wollindustrie zu Profitzwecken ausgebeutet, gequält und getötet. Die Tiere erleiden schockierende Misshandlungen, darunter das blutige Mulesing, die grausame Kastration ohne Betäubung und die tierquälerischen Lebendexporte.

Kreuzfahrt | Öl/Sprayfarbe auf Leinwand 2020 | 100 x 80 cm
Eine künstliche Welt, in der alles schön ist – so möchten wir lieber leben, als auf Komfort und Statussymbole zu verzichten. Wir fahren unsere Kinder mit großen Autos zur Schule und kaufen uns jedes Jahr ein neues Handy, einen Fernseher und anderen Luxus. Wir erholen uns im abgeschotteten Cluburlaub, fliegen dafür hoch über das Mittelmeer hinweg, während Flüchtende unter uns sterben und diejenigen, die das Glück hatten, es bis in ein Massenlager zu schaffen, dort festsitzen und die Hoffnung nicht aufgeben, in unserem Land Aufnahme und ein würdiges Dasein zu finden.

Waldbrand | Öl/Sprayfarbe auf Leinwand 2020 | 60 x 50 cm
Jeder einzelne sollte sich immer mitverantwortlich fühlen für alle globalen Veränderungen, die geschehen. Der berühmte Flügelschlag des Schmetterlings auf der anderen Seite der Erde ist längst als Sturmtief bei uns angekommen.

Öl | Öl/Sprayfarbe auf Leinwand 2019 | 60 x 50 cm
Fisch und Fischkadaver im verölten Wasser

Fremdkörper | Öl/Sprayfarbe auf Leinwand 2019 | 80 x 60 cm
Schildkröte in feindlicher Umwelt

Macroplastik | Öl/Sprayfarbe auf Leinwand 2019 | 60 x 50 cm
Schildkröte mit Plastikschwebteilchen

„Ich esse ja auch nur wenig Fleisch!“ | Edding/Gouache/Acryl/Kunstfell auf Leinwand 2019

Eye-Catcher | Acryl auf Leinwand 2011 | 100 x 80 cm – Injektion in Kaninchenauge

Frühstück | Acryl auf Leinwand 2011 | 100 x 80 cm – Legehennenbatterie

Ausflug | Acryl auf Leinwand 2011 | 100 x 80 cm – Tiertransport

Karussell | Acryl auf Leinwand 2011 | 100 x 80 cm – im Rondell fixierte Kaninchen im Versuchslabor

Brainstorming | Acryl auf Leinwand 2011 | 100 x 80 cm – Äffchen mit implantierten Elektroden

Alle Bilder: © Alexa Binnewies

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